Was der Tagesablauf mit dem Pflegegrad zu tun hat

Wenn Menschen älter werden oder eine langwierige Krankheit haben, kommt es häufig vor, das diese älteren oder kranken Menschen Hilfe im Tagesablauf benötigen.

Wird diese Hilfe auf Dauer notwendig, mindestens ein halbes Jahr, kann ein Pflegegrad beantragt werden. Die Beantragung ist sehr einfach und erfolgt bei der Pflegekasse. Meistens sind es die Angehörigen, die diesen ersten Schritt vollziehen müssen.

Das klingt erstmal sehr einfach. Aber in Wahrheit ist es manchmal der Fall, das die Antragstellung sich verzögert, weil der Betroffene sich unwohl fühlt bei dem Gedanken begutachtet zu werden. Vor allem Menschen mit Demenz mögen es gar nicht, wenn über ihre Defizite gesprochen wird und reagieren verärgert. So kommt es, das Familien über einen langen Zeitraum ihre Angehörigen unterstützen, ohne den Pflegegrad beantragt zu haben.

Wonach wird beurteilt, ob ein Mensch pflegebedürftig ist und was hat das mit dem Tagesablauf zu tun?

Der Begriff um den es geht heisst Pflegebedürftigkeit. Wenn man verstehen will was dazu alles zählt, stellt man sich am Besten vor, was man selbst am Tag macht, um zu leben und sich wohl zu fühlen.

Ich möchte das gern verdeutlichen.

Normal haben wir einen Plan vom Tag, also wann wir aufstehen und zubett gehen, wie wir uns ernähren, wir betreiben Körperpflege und führen Toilettengänge durch. Wir bewegen uns dabei die ganze Zeit und haben den Gesundheitszustand im Blick. Wenn ein Problem auftritt versuchen wir dieses allein oder mit Hilfe von aussen zu beheben. Wir sprechen und kommunizieren mit der Umwelt, mit der Familie und Freunden. Zum Tagesablauf gehören Tätigkeiten, die man tun muss wie essen und schlafen. Zum Tagesablauf zählen ebenso die Hobbies, die uns entspannen lassen und die uns Freude bringen.

Den meisten Angehörigen fällt es auf, wenn ein Nahestehender seinen Tagesablauf selbstständig nicht mehr vollständig geregelt bekommt. Dafür muss man sich garnicht jeden Tag sehen. Oft wird dann berichtet, das eine Person an Gewicht verliert, die Kleidung ist plötzlich zu gross,oder klein (Ernährungsprobleme), häufig im Krankenhaus ist (Stürze), die Kommunikation gestört ist (Vergesslichkeit) oder Dinge ständig verlegt sind (z.B. Schlüssel,Brille,Geldbörse). Es können auch Nachbarn aufmerksam werden auf gestörten Schlafrythmus (tagsüber schlafen, nachts rumlaufen, umräumen) oder einst geliebte Hobbies werden vernachlässigt.

In den meisten Familien ist es so, das einfache Tätigkeiten selbstverständlich übernommen werden. Der Einkauf wird erledigt, der Haushalt wird abgenommen, die Medikamente werden besorgt oder der Arztbesuch begleitet. Mit der Zeit erhöht sich der Aufwand meistens, was den Angehörigen teilweise gar nicht auffällt. Sie merken vielleicht selber, das sie müde und erschöpft sind. Spätestens jetzt ist es sinnvoll, den Tagesablauf der betreuten Person mal aufzuschreiben und dazu zu notieren, welche Unterstützungen von den Helfern geleistet werden. Manche Kassen bieten Vordrucke für Tagesabläufe an, diese heissen Pflegetagebuch.

Beim Erstellen des Pflegetagebuches kann man am Besten die folgenden Punkte durchgehen. Das sind die Punkte des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, nach der auch die Begutachtung und Zuordnung zum Pflegegrad stattfindet.

1. Mobilität
(Wie selbstständig kann der Mensch sich fortbewegen und seine Körperhaltung ändern?)

2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
(Wie findet sich der Mensch in seinem Alltag örtlich und zeitlich zurecht? Kann er für sich selbst Entscheidungen treffen? Kann die Person Gespräche führen und Bedürfnisse mitteilen?)

3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
(Wie häufig benötigt der Mensch Hilfe aufgrund von psychischen Problemen, wie etwa aggressives oder ängstliches Verhalten?)

4. Selbstversorgung
(Wie selbstständig kann sich der Mensch im Alltag selbst versorgen bei der Körperpflege, beim Essen und Trinken?)

5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
(Welche Unterstützung wird benötigt beim Umgang mit der Krankheit und bei Behandlungen? Zum Beispiel Medikamentengabe, Verbandswechsel, Dialyse, Beatmung?)

6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
(Wie selbstständig kann der Mensch noch den Tagesablauf planen oder Kontakte pflegen?)

Aufgrund einer Gesamtbewertung aller Fähigkeiten und Beeinträchtigungen erfolgt die Zuordnung zu einem der fünf Pflegegrade. (gefunden auf: www.mds-ev.de/themen/pflegebeduerftigkeit-und-pflegebegutachtung/fragen-und-antworten.html#c1876)

Wer sich mit dem Thema Pflege beschäftigt, merkt schnell wie gross das Thema ist und welche Fülle an Fragen auftauchen im täglichen Pflegealltag. Der von Steffen und mir gebaute Pflegebot soll in Zukunft dabei helfen, die Fragen mit zu beantworten. Ein chatbot als individueller Pflegeberater rund um die Uhr, ein bischen dauert es noch 🙂

2 Kommentare
  1. Sandra Leurs
    Sandra Leurs sagte:

    Hallo Diana,
    also ich habe entdeckt, das körperlich eingeschränkte pflegebedürtige Menschen nun schlechter einen Pflegegrad bekommen. Ich bin froh darüber das ich bei meinem Patienten mit körperlicher Einschränkung noch im letzten Jahr die Begutachtung hab machen lassen. Danke für deinen tollen Blog. 😉

  2. Silke van Beuningen
    Silke van Beuningen sagte:

    Liebe Diana,
    hier hast du ein sehr wichtiges Thema aufgegriffen, das zurzeit viele interessiert und gleichermaßen verunsichert.
    Eine gute Vorbereitung auf den Termin mit dem Gutachter hilft eine unpassende Beurteilung zu vermeiden. Der Gutachter geht nämlich nicht den Fragenkatalog durch, sondern lässt sich erzählen, warum ein Pflegegrad beantragt wird. Dabei kann viel vergessen werden. Daher ist es sinnvoll, es wirklich auszuschreiben, wie du es oben empfiehlst.
    Viele Grüße
    Silke

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