Die neuen Pflegegrade

Die weitreichendste Reform der Pflegeversicherung tritt am 1.1.2017 in Kraft. Ein Grund, das ich mich mit den neuen Begutachtungsrichtlinien auseinander setze. Es wird Neuerungen geben, die natürlich Konsequenzen haben. Nachzulesen ist das neue Begutachtungssystem auf den Seiten des MDS. Es können auch Broschüren zum Thema bestellt oder herunter geladen werden. Dort habe ich meine Informationen bezogen. In einem ersten Schritt gebe ich in diesem Blogbeitrag wider, wie ich das neue Begutachtungssystem verstehe. Ich benutze die Begriffe vom MDS, das erleichtert aus meiner Sicht den Umgang mit dem neuen System. www.mds-ev.de/fileadmin/dokumente/Publikationen/SPV/Begutachtungsgrundlagen/Fachinfo_PSG_II.pdf

Wie bisher werden die pflegebedürftigen Menschen von einem Gutachter besucht und befragt. Dabei wurden in der Vergangenheit hauptsächlich körperliche Einschränkungen aufgenommen. Der Hilfebedarf war in Minuten berechnet.
Ab Januar wird es diese Minutenangaben bei Neueinstufungen nicht mehr geben.

Neu ist: Die psychische Verfassung bzw. Erkrankungen aus dem Bereich Gerontopsychiatrie werden in zwei Extramodulen erfasst. Neu ist auch, dass die Pflegeminuten durch Punkte ersetzt werden.

Die Lebensbereiche die begutachtet werden, sind in 6 Module einsortiert:
1.Mobilität
2.kognitive und kommunikative Fähigkeiten
3.Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
4.Selbstversorgung
5.Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit
krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
6.Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte.

Neu: In den Modulen 1, 4 und 6 geht es darum, die Selbstständigkeit zu erfassen. Beispielsweise ob Pflegebedürftige Tätigkeiten wie Essen und Trinken selbstständig, überwiegend selbstständig, überwiegend unselbstständig oder unselbstständig durchführen können. Wer selbstständiger ist, erhält weniger Punkte.

In dem Modul 2 werden die kognitiven Fähigkeiten und die Kommunikation beurteilt. An dieser Stelle wird geguckt, ob der Mensch im Alltag zurecht kommt, begibt er sich z.B. in Gefahrensituationen oder kann er sich an Gesprächen beteiligen, vielleicht ist die zeitliche oder örtliche Orientierung eingeschränkt. Hier wird unter anderem die Demenz berücksichtigt, aber auch alle anderen Erkrankungen die zu dauerhaften Defiziten in diesem Bereich führen können.

In dem Modul 3 geht es um Pflegebedürftige mit psychischen Problemen und den aktuell geleisteten Hilfebedarf. Beispielsweise wird gefragt, ob nächtliche Unruhe mehrmals die Woche auftritt oder nur 1-2 mal in 2 Wochen. Pflegebedürftige die mehr Unterstützung benötigen, erhalten mehr Punkte.

Modul 5: Die Bewältigung von und der selbstständige Umgang mit
krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen wird ebenfalls berücksichtigt und mit Punkten bewertet. Der Pflegebedürftige wird danach eingeschätzt, ob er in der Lage ist, z.B. die Medikamente selber einzunehmen oder Verbände zu wechseln. Auch Arztbesuche fallen in diesen Bereich.

Die Begutachtungskriterien wurden sehr umfassend ausgearbeitet und erheben einen Rundumblick auf die Gesamtsituation des Antragstellers. Dadurch ist es möglich, das der Gutachter Hilfsmittel- und Pflegehilfsmittelbedarfe erkennt und auch empfehlen soll. Neu ist in diesem Zusammenhang, das die Empfehlung als Antrag bei der Pflegekasse gilt und keine Rezepte mehr vom Arzt ausgestellt werden müssen. Die Pflegekasse soll sich dann um die Belieferung mit den empfohlenen Hilfsmitteln kümmern. Ich kann mir vorstellen, das diese Neuerung eine Entlastung für die Familien darstellt und viele Wege erspart. Es macht aber auch deutlich, das der Antragsteller und die Familien sich auf die Begutachtung vorbereiten sollten.  Fortsetzung folgt

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