Pflegeberatung von Pflegespezialisten

Heute im 50plusLeben Twitteraccount: „Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jens Spahn (CDU), sagte der SZ, die Pflegeversicherung sei „besser als ihr Ruf“. Zugleich sei den Bürgern viel zu wenig bekannt, „was schon alles geht“. Daher müsse man schon fragen, was falsch laufe. Elisabeth Scharfenberg, pflegepolitische Sprecherin der Grünen, weiß darauf eine klare Antwort: Das Ergebnis der Studie „wundert mich überhaupt nicht“, sagt sie. Da die Pflegeberatung bei den Pflegekassen angesiedelt sei, lägen „Beratungsfunktion und die Entscheidung über Leistungen in einer Hand. So etwas kann nicht gut gehen“.
Dazu passt, was die Befragten der Studie über ihre Erwartungen an eine Pflegeberatung sagen: Gut die Hälfte wünscht sich eine unabhängige Beratung (57 Prozent), für jeweils 44 Prozent ist die Nähe zum Wohnort sowie die Tatsache, dass die Beratung kostenlos sein müsse, wichtig. Und knapp ein Drittel (32 Prozent) findet es wichtig, zügig Auskunft zu erhalten.“

Ich stimme dem gesundheitspolitischen Sprecher Jens Spahn zu, die Pflegeversicherung bietet mittlerweile viele Leistungen. Leider wissen die Bürger nur kaum davon. Und wenn es ihnen erzählt wird, braucht man eine Menge Überzeugungskraft, um die Leistungen an den Pflegebedürftigen zu bringen. Zu groß ist zum Beispiel die Scham davor, jetzt Pflege annehmen zu müssen. Manchmal ist die Demenz weit fortgeschritten, so das keine Einsicht vorhanden ist.

Ich finde mich dann beispielsweise in der folgenden Situation wieder: Die Patientin kommt mit dem Zustand nach z.B. Schlaganfall nach Hause, die Kinder schalten einen Pflegedienst ein. Beim Erstgespräch wird darum gerungen, das die Mutter/der Vater natürlich Hilfe benötigt, die Mutter/der Vater das aber anders sieht, denn bisher ging es ja auch ohne Hilfe bzw. die Kinder haben jahrelang schon viel übernommen (Einkauf, Wäsche,Arztbesuche,Tabletten stellen, tägliche Anrufe zur Orientierung usw.). Das Schwierigste ist es dann, die Gefühle der Eltern und Kinder wahr zu nehmen und im Gespräch umzusetzen.
Das Verhandeln über die Neuverteilung der Aufgaben ist vor allem bei Menschen mit Demenz eine Herausforderung und verlangt viel Wissen um die Krankheit und Erfahrung im Umgang damit ab. Aus meiner Sicht ist diese Beratung nur erfolgreich, wenn sie direkt und im persönlichen Gespräch erfolgt.

Die Gefühle (Trauer, Enttäuschung, Wut, Angst) der Beteiligten müssen genauso bearbeitet werden wie die rein pflegerischen, medizinischen oder hauswirtschaftlichen Bedürfnisse. Ein Telefonat mit der Pflegekasse kann bestimmt viele bürokratische Fragestellungen lösen, aber das von mir beschriebene Beispiel ist eine hochkomplexe Pflegesituation, die von einem Pflegespezialisten bearbeitet werden sollte.

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